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TI-Ausfall in der Praxis: Was tun, wenn eRezept, ePA und KIM stillstehen?

Kartenterminal ohne Verbindung, kein eRezept, KIM stumm. Wie Sie einen TI-Ausfall strukturiert eingrenzen, was Sie selbst tun können und wie Sie vorbeugen.

Kartenterminal ohne Verbindung, kein eRezept, KIM stumm. Wie Sie einen TI-Ausfall strukturiert eingrenzen, was Sie selbst tun können und wie Sie vorbeugen.

Früher war die Telematikinfrastruktur ein Anhängsel, das man notfalls ignorieren konnte. Heute ist sie betriebskritisch: Ohne TI kein eRezept, keine elektronische Patientenakte, keine KIM-Nachrichten, und je nach Praxissoftware hakt auch das Einlesen der Gesundheitskarten. Wenn die TI steht, steht schnell der halbe Praxisbetrieb. Deshalb lohnt es sich, für diesen Fall einen klaren Ablauf zu haben, genau wie für andere IT-Notfälle auch.

Schritt 1: Eingrenzen, was eigentlich ausgefallen ist

Die wichtigste Frage zuerst: Ist das Internet weg, oder ist nur die TI gestört? Das entscheidet über alles Weitere.

  • Öffnen Sie an einem Arbeitsplatz eine beliebige Webseite. Geht das nicht, haben Sie ein Internetproblem, dann sind Router und Provider das Thema, nicht der Konnektor.
  • Funktioniert das Internet, prüfen Sie die TI-Kette: Zeigt das Kartenterminal eine Verbindung? Was melden Konnektor bzw. TI-Gateway-Anbindung? Was sagt die Praxissoftware beim TI-Zugriff?
  • Betrifft es alle Arbeitsplätze oder nur einen? Ein einzelner Platz deutet auf ein lokales Problem hin, alle Plätze auf Konnektor, Gateway-Anbindung oder Leitung.

Notieren Sie kurz, was seit wann nicht geht und welche Fehlermeldungen erscheinen. Das klingt banal, spart aber später an jeder Hotline Zeit.

Schritt 2: Kontrolliert neu starten, in der richtigen Reihenfolge

Viele TI-Störungen lassen sich mit einem geordneten Neustart beheben, aber bitte in Ruhe und der Reihe nach, nicht alles gleichzeitig:

  1. Zuerst der Router, wenn die Internetverbindung unsauber wirkt. Warten, bis die Verbindung vollständig steht.
  2. Dann der Konnektor (bzw. die Komponente, über die Ihre TI-Anbindung läuft). Konnektoren brauchen nach dem Start einige Minuten, bis alle Dienste bereitstehen, diese Zeit müssen Sie ihm geben.
  3. Danach die Kartenterminals, erst wenn der Konnektor wieder betriebsbereit ist.
  4. Zum Schluss die Praxissoftware am Arbeitsplatz neu starten und den TI-Zugriff testen.

Was Sie nicht tun sollten: an Konnektor-Einstellungen experimentieren, Karten ziehen und wild umstecken oder Komponenten zurücksetzen. Damit macht man aus einer Störung schnell einen Schaden.

Schritt 3: Hotline und Ersatzverfahren

Bleibt die TI trotz Neustart tot, ist der nächste Anruf fällig: je nach Konstellation beim PVS-Anbieter, beim TI-Anbieter oder bei Ihrem IT-Dienstleister. Halten Sie Ihre Notizen aus Schritt 1 bereit. Prüfen Sie parallel, ob eine allgemeine TI-Störung vorliegt, dann hilft lokal ohnehin nur Geduld.

Und der Praxisbetrieb? Für viele TI-Anwendungen gibt es Ersatzverfahren, etwa das Papierrezept (Muster 16), wenn das eRezept nicht ausgestellt werden kann. Welche Ersatzverfahren wann und wie lange zulässig sind, regeln die offiziellen Stellen, verlassen Sie sich dabei bitte auf die Informationen Ihrer KV bzw. KZV und der KBV/KZBV, nicht auf Hörensagen. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Wichtig ist vor allem: Das Team sollte die Ersatzverfahren vor dem ersten Ausfall kennen, nicht erst im vollen Wartezimmer googeln müssen.

Vorbeugen: Damit der nächste Ausfall kurz bleibt

Ganz verhindern lassen sich TI-Störungen nicht, aber Sie können dafür sorgen, dass sie selten sind und kurz bleiben:

  • Monitoring der TI-Komponenten: Konnektor, Kartenterminals und Leitung gehören in die laufende Überwachung, damit eine Störung auffällt, bevor der erste Patient davon betroffen ist. Wie ich das aufsetze, lesen Sie unter Monitoring & Wartung.
  • Eine dokumentierte Neustart-Anleitung fürs Team: eine Seite Papier am Empfang, mit der Reihenfolge aus Schritt 2 und den wichtigsten Hotline-Nummern. Dann kann jede Kollegin die erste Hilfe leisten, auch wenn niemand „der IT-Mensch” ist.
  • Internet-Fallback: Eine zweite Anbindung, zum Beispiel über LTE, fängt Leitungsausfälle ab. In den Praxisumgebungen, die ich betreue, gehört ein solcher Fallback zum Standard.
  • Aktuelle Komponenten: Die TI befindet sich mitten in der ECC-Umstellung, veraltete Konnektoren und Karten sind ein vermeidbares Ausfallrisiko. Was gerade ansteht, von Konnektor-Tausch oder TI-Gateway bis zum Kartentausch, habe ich auf der Seite TI-Umstellung zusammengefasst.

Ehrlich: Was in der Praxis liegt, und was nicht

Zur Wahrheit gehört auch: Nicht jeder TI-Ausfall ist in der Praxis lösbar. Liegt die Störung beim TI-Anbieter, beim Gateway-Betreiber oder zentral in der Telematikinfrastruktur, hilft vor Ort kein Neustart, dann heißt es Ersatzverfahren nutzen und warten. Was ich als IT-Dienstleister leisten kann: die Störung schnell und sauber eingrenzen, damit klar ist, wer sie beheben muss, gegenüber Hotlines und Herstellern mit den richtigen Informationen auftreten und Ihre Praxis so aufstellen, dass die vermeidbaren Ausfälle gar nicht erst passieren. Wann ein Ausfall bei mir als Notfall zählt und wie meine Soforthilfe abläuft, steht auf der Seite IT-Notfall & Soforthilfe.

Wollen Sie wissen, wie ausfallsicher Ihre TI-Anbindung heute ist? Ich prüfe Ihre Komponenten, den Stand der ECC-Umstellung und Ihre Fallbacks, ehrlich und ohne Verkaufsdruck: TI-Check anfragen.

Alex Jabi, Jabi IT

Alex Jabi

Ich betreue IT, Informationssicherheit und Datenschutz für KMU und Praxen an der Bergstraße und im Odenwald, persönlich, dokumentiert und ohne Cloud-Zwang.

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